Ribosome-inactivating proteins   

Ribosome-inactivating proteins

aktualisiert: 08.05.2018 11:30:16

Einführung

Ribosom-inaktivierende Proteine (RIPs) wurden erstmals vor über einem Jahrhundert isoliert und es wurde gezeigt, dass sie katalytische Toxine sind, die die Proteinsynthese irreversibel inaktivieren. Die Aufklärung der atomaren Strukturen und des molekularen Mechanismus hat gezeigt, dass diese Proteine eine vielfältige Gruppe sind, die in zwei Klassen unterteilt ist. Es wurde gezeigt, dass RIPs RNA-N-Glycosidaseaktivität zeigen und die 28S-rRNA der eukaryotischen 60S-Ribosomenuntereinheit depurinieren (verunreinigen).

Diskussion

Ribosome inaktivierende Proteine (RIPs) in Pflanzen und Pilzen sind wissenschaftlich ein interessantes Gebiet und es wird viel geforscht. RIBs sind katalytische Toxine, welche die Proteinsynthese irreversibel inaktivieren. Unter den Substanzen, welche die Pflanzen zu ihrer Verteidigung gegen Fressfeinde, Pilze, Bakterien und Viren verwenden sind sicher auch solche drunter, welche medizinisch interessant sind, da sie gegen Krebs und Tumore helfen könnten.
Auf der Suche nach den RIPs werden Pflanzen und Pilze untersucht und es sind noch hunderte, wenn nicht tausende Substanzen zu entdecken. In der Pharmaindustrie werden interessante und in Frage kommende Stoffe unverzüglich an Tieren oder Embryonen getestet.

Untersuchungen in vitro haben gezeigt, dass einige solche RIPs eine schädliche Wirkung auf die embryonale Entwicklung von Mäusen haben. Unter anderem wurde aus der Pilzgattung Lyophyllum die Substanz Lyophyllin isoliert und teilweise sequenziert. Beim Tierversuch wurde eine translationshemmende Aktivität festgestellt. Die Teratogenität wurde untersucht, ein Begriff, welcher besagt, dass äussere Einwirkungen Fehlbildungen beim Embryo hervorrufen können. Äussere Einflüsse wie Radioaktivität, Viren und Chemikalien. Weitere Begriffe, die man im Zusammenhang mit diesem Thema verstehen muss sind Begriffe wie reproduktionstoxisch und Mutagen. Ein Mutagen ist gemäss Duden ein chemischer oder physikalischer Faktor, der Mutationen auslöst.

Und nun gilt es ein bisschen auszuholen: An dieser Stelle möchte ich an das Thema Acrylamid erinnern, ein gut wasserlöslicher Stoff, welcher vom Körper schnell resorbiert und verteilt wird. Acrylamid ist in vielen stärkehaltigen Lebensmitteln enthalten, z.B. Pommes Chips. Als in den 90ern die ersten Erkenntnisse in der Presse publik wurden, war die Panik gross. Die Leute bekamen Angst Brot zu essen, Pommes Frites zu konsumieren, Kaffee zu trinken. Das Gute dran war, dass die Industrie schonendere Produktionsmethoden entwickelte um die Acrylamidbildung während der Herstellung zu verringern. Inzwischen ist Acrylamid bei der Bevölkerung kein Thema mehr und der Acrylamidgehalt in Lebensmitteln in Bezug auf Neurotoxizität als harmlos eingestuft. Wie bei allen Studien haben verschiedene Versuche anscheinend unterschiedliche Resultate hervorgebracht und die Konklusion ist, dass ein Zusammenhang zwischen der Acrylamidaufnahme und einer Krebserkrankung beim Menschen weder eingeschlossen noch ausgeschlossen werden kann.

Kaum wird ein neuer Stoff gefunden, wird gleich mit scharfem Geschütz aufgefahren: der Panikmache und der Streuung von sensationslüsternen Teilinformationen – meines Erachtens ein äusserst kontraproduktiver Ansatz. Wird z.B. Lyophyllum connatum plötzlich als «tödlicher Giftpilz» deklariert, so betrachte ich das als irreführend, damit bin ich persönlich nicht einverstanden. Vom Konsum abzuraten, weil neue Erkenntnisse vorhanden sind, das klingt vernünftig und logisch. Gleich vernünftig wie von Sonnenschutz-Lotionen abzuraten, welche umstrittene Inhaltsstoffe beinhalten und ein hormonähnliches Verhalten aufweisen. Dem Pilz gleich ein Totenkopfsymbol zuzuweisen, dies scheint mir verfrüht und übertrieben. Vom Konsum abzuraten ist ein korrekter Entscheid.

Ist es nun wirklich vernünftig die gleiche Schiene wie die Tabakindustrie zu fahren, welche mit gesetzlich vorgeschriebenen Aufdrucken «Rauchen ist tödlich» warnen muss? Philosophisch betrachtet ist alles was wir tun und alles was wir konsumieren mit einem Alterungsprozess der Zellen und einem Verschleiss der «Körpermechanik» verbunden. Jede Substanz, jedes Nahrungsmittel, Genussmittel wie Alkohol und Tabak, Medikamente, Abgase, die wir über die Luft einatmen, hat eine Wirkung auf unsere Zellen, auf unser Immunsystem, auf unsere Gene und sie wirken bei jedem Menschen etwas anders. Jedes Individuum ist eine Art eigene kleine Biosphäre dar und wir reagieren alle unterschiedlich. Einige Menschen haben etwas mehr Lebenszeit zu Verfügung, sie werden älter. Leben Sie nun gesünder, gleich gesund oder weniger gesund? Who knows? Manchmal mag der Satz «Dosis facit venenum» gelten, andere Dinge sind in den Genen festgeschrieben oder vorprogrammiert und wir können überhaupt keinen Einfluss darauf nehmen. Aber ich denke, dass Elemente wie eine gesunde Ernährung, ein pfleglicher Umgang mit den Inneren und äusseren Organen und ein ausgeglichener Lebensstil die Lebensqualität verbessern und das Leben sicher verlängern, zu diesem Thema gibt es ja genügend Statistiken.

Zurück zum Thema Giftpilz: Wenn in der Statistik nur einzelne harmlos verlaufene Zwischenfälle bekannt sind, so ist dies kein Grund gleich Fehlinformationen zu verbreiten. Viele Lebensmittel müssen gekocht und korrekt zubereitet werden, damit sie für unser Verdauungssystem verträglich sind. Roh genossene Kartoffeln verursachen höchstwahrscheinlich Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und andere Probleme. Die in der Landwirtschaft angebauten Kartoffelsorten und neue Kartoffelsorten, werden sorgfältig kontrolliert und überwacht, da sie ein wichtiges tägliches Lebensmittel darstellen und nicht alle Kartoffeln zum Verzehr geeignet sind. Wildpilze sind saisonal, man isst sie hoffentlich in kleinen Mengen als Beilage, richtig zubereitet und gegart, dann wenn man sie findet. Und man isst nur diejenigen die auf der Speisepilzliste zugelassen sind und man lässt sie vorher bei Unkenntnis von einem Pilzkontrolleur oder einem Pilzsachverständigen kontrollieren.

Über die Nahrungsmittelaufnahme, die Anwendung kosmetischer Produkte, die Einnahme von Medikamente, etc. wird unser Körper mit vielen Substanzen konfrontiert, von welchen wir nicht die leiseste Ahnung haben. Wie vielen Stoffen mit mutagenen Eigenschaften sind wir täglich ausgesetzt? Sind sie auf RIBs untersucht und was bewirken sie? Kann das Resultat der Versuche an Mäusen, bei welchen mittels Mikroinjektions- und Postimplantations-Ganzembryokultur während der Organogenese (Prozess bei welchem die Organe entstehen) Lyophyllin oder sonst eine Substanz in einer gewissen Menge induziert werden direkt 1:1 auf den Menschen übertragen werden? Keine Ahnung, ich habe meine Zweifel. Es werden sicher noch viele mutagene Substanzen gefunden werden, die heutige Technik ist präzise und die Forschung besitzt Hightech-Labors mit ultramoderner Infrastruktur.

Ich hoffe es bleiben noch einige Speisepilze und Lebensmittel übrig. Bei so viel Schwermetallen, Giften, Mykotoxinen, Nanopartikeln, sonstigen Ingredienzen und nun auch noch den RIBs, da könnte einem der Appetit sofort vergehen.

Und richtig Respekt haben sollte man vor Glyphosat, Neonicotinoide & Co. und den Zusätzen von Antibiotika und Mastförderern im Tiermehl. Wir sind die letzten in der Nahrungsmittelkette und es landet alles auf unseren Tellern.

Glyphosat steht im Verdacht, in die Hormonbildung einzugreifen und krebserregend zu sein. Auch sein Abbauprodukt AMPA sowie das Hilfsmittel Tallowamin können menschliche Zellen schädigen. In Lateinamerika werden die Produkte per Flugzeug großflächig versprüht und schädigen so die Menschen direkt durch die Aufnahme über Haut und Atemwege. Verschiedene Beobachter berichten von erhöhten Krebsraten, Geburtsschäden, Neugeborenensterblichkeit, Immunerkrankungen, Nierenschäden sowie Haut- und Atemproblemen bei Menschen, die in der Nähe von Sojafeldern leben. Sojabohnen reichern das Gift an und werden als Futtermittel exportiert.
Es ist an der Zeit all die im Konjunktiv geschriebenen Formulierungen zu eliminieren. Verharmlosungen, Juristenjargon und Formulierungen wie «könnte», «wird vermutet», «mutmasslich», «steht in Verdacht» etc. kann ich nicht mehr hören.

Die mögliche Wirkung von Lyophyllin ist ein interessantes Randthema, gut zu wissen das es diese Substanz gibt. Eine Klärung und Beantwortung der Frage ob der Mäusetest auf den Menschen übertragen werden kann wäre eine nützliche Zusatzinformation. Es sieht nicht aus als ob Lyophyllin «im Verdacht steht», da es als «katalytisches Toxin», das die Proteinsynthese irreversibel inaktiviert klar umschrieben ist.

Anders sieht die Situation mit Umweltgiften aus. Glyphosat steht nur «im Verdacht» schädigend zu sein. Ein kleiner Trost, dass die US-Umweltbehörde EPA nun auch aktiv geworden ist und neue Studien im Rahmen der Glyphosat Neubewertung verlangt.
Unterminiert, manipuliert und sponsert der Gigant Monsanto alle Studien um im Geschäft zu bleiben? Kaum von der Hand zu weisen, wenn man die EU-Politik mit ihrer Vogel-Strauss Taktik verfolgt, welche der Agrochemie Aufschub um Aufschub gewährt. Die Tantiemen und Einkünfte aus Multimilliardengeschäft sind doch wichtiger als ein bisschen Artensterben und Bienensterben. Wichtig ist es für die nimmersatten Grosskonzerne möglichst viel Chemikalien, Antibiotika und genmanipuliertes Saatgut abzusetzen. Die Schätzungen liegen zwischen 700’000 und 900'000 Tonnen Glyphosat pro Jahr. Ich würde vermuten dass meine Schätzung von 2 bis 3 Milliarden Dollar zu Basispreisen wahrscheinlich bei weitem nicht reicht.
Schon eine Halbierung des Verbrauches wäre ein grosser Fortschritt. Aber der Verbrauch steigt und steigt. Und es wird sicher noch sehr viel Zeit vergehen bis alle Ämter und alle Instanzen sich geeinigt haben und wirklich etwas passiert. Und bis dann sind nochmals einige hundert Arten verschwunden.

Und nun zum Schluss dieses kritischen und etwas ausholenden, hoffentlich zum Denken anregenden Essays wünsche ich mir präzisere Informationen. Werden diese neu entdeckten Substanzen in Pflanzen und Pilzen beim Erhitzen verändert oder verdunsten sie? Was bedeutet für mich «die Proteinsynthese irreversibel inaktivieren»? Wie hoch ist die schädliche Dosis? Passieren diese Gifte die Darmbarriere unverändert? Den Mausembryos wurde isoliertes «Gift» induziert – kann dies mit der Einnahme eines Pilzgerichtes mit Lyophyllum connatum 1:1 gleichgesetzt werden? Sind Spargeln und Kohlrabi auch auf RIBs untersucht? Ich habe viele Fragen. Die wissenschaftlichen Publikationen sind für den Otto-Normalverbraucher meist nicht oder nur schwer verständlich und die Artikel sind gratis nur als «Abstracts» verfügbar oder gegen meist ein ziemlich hoch angesetztes Entgelt.

Bis auf weiteres lasse ich bei Lyophyllum connatum die Bezeichnung «GIFTIG !» stehen. Ich habe auch nicht die Absicht diesen Pilz zu konsumieren und werde auch keine Selbstversuche in Betracht ziehen.


Arten:

Lyophyllum connatum: Weisser Büschelrasling

Dokumente

Was ist ein Giftpilz?

Gattungen:

Lyophyllum: Raslinge, Graublatt

Links

Lyophyllin



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