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Das Messen von Sporen

aktualisiert: 27.11.2016 19:34:18

Anleitung

1) Die exakte Sporenmessung gehört zu den schwierigsten Messvorgängen in der Pilzmikroskopie. Da die Sporen ja nicht platt gedrückte Gebilde, sondern kugelige, zylindrische, spindelige, ellipsoidische oder polyedrische Körper sind, lässt sich eine genaue Messung nur unter Einhaltung bestimmter Bedingungen durchführen:

2) Rein optisch müssen die zu messenden Sporen mit beiden Enden auf der gleichen Schärfenebene liegen. Ist also - ohne den Feintrieb zu verändern - nur das eine Ende der Spore scharf zu sehen, darf diese Spore nicht gemessen werden. Offensichtlich deformierte oder verkümmerte Sporen werden nicht berücksichtigt. Die Sporengrösse bezieht sich immer auf die Dimensionen ohne Ornamentation. Länge und Breite der Warzen, Stacheln usw. werden aber häufig separat angegeben.

3) Sporenabwurfpräparate sind für genaue Sporenmessungen bei Basidiomyceten unerlässlich. Bei Ascomyceten müssen im Präparat Sporen frei vorhanden sein, sie dürfen nicht im Ascus gemessen werden. Ausnahmen machen nur wenige Gattungen, z. B. Tympanis, bei denen die Sporen vor der Reife in Teilsporen zerfallen.

4) Zur Herstellung eines Sporenabwurfpräparats legt man einen Pilzhut mit der Lamellen- bzw. Röhrenseite nach unten auf einen Objektträger (Becherlinge mit der becheroffenen Seite nach unten) und bedeckt das Ganze mit einer (Petri-) Schale, einer Tasse oder ähnlichem, als Schutz vor dem Austrocknen. Meist haben sich schon nach einer Stunde genügend Sporen für die Untersuchung angesammelt.

5) Die Wahl des Mediums: Normalerweise nimmt man Leitungswasser. Dies ist auch immer dann der Fall, wenn die Sporenfarbe wichtig ist für die Bestimmung, denn manchmal geben Chemikalien ungewollte Verfärbungen: So werden z. B. Stropharia-Sporen bei der Behandlung mit Kalilauge braun, was eine genaue Bestimmung der Sporenfarbe und damit des Pilzes unmöglich macht.

6) Bei überreifen, grossen Sporen stellt man - mit Wasser als Medium - manchmal eine uncharakteristische Aufblähung fest. Zum Ausgleich des osmotischen Drucks ist dann die Verwendung einer isotonischen Lösung, z. B. Ringer-Lösung oder einprozentige Glukose-Lösung, ratsam. Bei Sporen mit normalem Reifungsgrad sowie bei kleinen Sporen, die eine harte Membran besitzen, kann man als Medium auch Chloralhydrat/ Wasser (1: 1) oder Melzers-Reagens nehmen. Die Verwendung von Melzers-Reagens oder auch von Lugolscher Lösung ist dann vorteilhaft, wenn man gleichzeitig die Amyloidität bzw. die Dextrinoidität der Sporen feststellen will.

7) Bei zu hohem Salz- oder Lösungsmittelgehalt des Mediums kann auch der umgekehrte Effekt eintreten: Die Sporen schrumpfen oder bekommen eine "Delle" (z. B. Gattung Peziza) und dürfen dann natürlich auch nicht ausgemessen werden.

8) Für besondere Färbezwecke (z. B. Sichtbarmachung von Warzen oder sonstiger Ornamentierung) nimmt man am besten Baumwollblau in Lactophenol oder in Milchsäure.

9) Anzahl der Sporenmessungen: Man begnüge sich nicht nur mit drei oder vier ausgemessenen Sporen. Je grösser die Anzahl der Messungen, desto sicherer ist die Aussage. Es gibt eine alte Faustregel, die lautet: 10 muss, 20 soll, 30 darf man ausmessen. Für genaue wissenschaftliche Untersuchungen werden aber oft 50 oder 100 Sporen verschiedener Kollektionen ausgemessen und davon der Mittelwert und die Standardabweichung berechnet oder auch die Häufigkeitsverteilung der einzelnen Sporenmasse in Tabellenform wiedergegeben.

10) Angaben der Sporengrösse: Da die Sporengrösse ziemlichen Schwankungen unterworfen ist, hat es wenig Sinn, nur die Mittelwerte aus Längen- und Breitenmessung anzugeben. Es hat sich eingebürgert, „von–bis-Werte anzugeben und Extremwerte (maximale und minimale) in Klammern zu setzen. Rechnet man sich noch den Durchschnitt (Mittelwert) aus, so setzt man diesen Wert unterstrichen dazwischen. Die Angabe (9,4)10—11,2—13,4(14) x (3,5)4—5,1—5,5 (6) bedeutet also: Die übliche Sporengröße schwankt zwischen 10 – 13,4 x 4—5,5 µm, 11,2 x 5,1 µm ist der Mittelwert, und 9,4 bzw. 14µm sind Minimal bzw. Maximalwerte der Länge, 3,5 und 6µm sind die entsprechenden Extremwerte in der Breite, die nur hier und da vorkommen.

11) Manche Mykologen geben auch noch den Quotient aus Länge und Breite an, was in unserem Fall heißen würde: Q = 2,2; andere berechnen den Quotient aus Breite und Länge, das wäre hier: Q = 0,7.

12) Quelle: Pilzmikroskopie, Erb, Matheis